Fragen und Antworten

Wie läuft eine TRE-Sitzung ab?

  • In der ersten Sitzung bekommt ihr ein paar einleitende Informationen und Hintergründe zu TRE. Anschließend beginnen wir immer mit einer kleinen Erdungsübung zum Ankommen. 
  • Dann gehen wir gemeinsam die sieben TRE-Übungen durch und die letzte Körperübung mündet ins neurogene Zittern auf der Matte (5-15min für Anfänger, später individuell länger). Du lernst deine Schwingungen selbst zu regulieren. Dafür üben wir Pausen und Stops. Ich unterstütze euch dabei, mit der Aufmerksamkeit bei euren Körperempfindungen zu bleiben und gebe passende Hinweise, die euch helfen den Energiefluss in eurem Körper loszulassen. 
  • Am Ende gibt es eine kurze Integrations- bzw. Entspannungszeit. Zum Abschluss gibt es noch die Möglichkeit über die Erfahrungen zu sprechen, sich auszutauschen und offene Fragen zu klären. 

Wie hilft neurogenes Zittern bei Trauma und PTBS?

  • Da Neurogenes Zittern ein autonom stattfindender Prozess ist, bekommen wir Zugriff auf unser unbewusstes Geschehen. Es hilft dabei, dem abgespaltenen Körper wieder zu vertrauen und ein dysreguliertes Nervensystem zu entspannen. 
  • Trauma läuft in normalerweise verschiedenen Schritten ab: dem Überleben der Situation, dem anschließenden Entladen der überschüssigen Energie (wenn die Gefahr vorbei ist) und dem Entspannungszustand (sich wieder „sicher“ fühlen).
  • Oft wird die körperliche Entladung bzw. das Zittern aber unterdrückt, da wir durch Sozialisierungsprozesse gelernt haben, es könne ein Ausdruck für Schwäche sein. Oder es ist eine nicht zu bewältigende Menge an Belastung und Stress, welche sich nicht mehr ausbalanciert abbauen lässt – also zu angesammeltem Trauma im Körper führt. 
  • In diesem Fall wird die zweite Phase (Entladen der Anspannung aus dem Körper) ausgelassen und es kommt zu „eingefrorenen“, also starren Körperanteilen (Freeze-Reaktion). Zusätzlich fühlen wir uns nicht sicher oder sind chronisch angespannt, da dem Gehirn vom Körper immer noch ein Überlebenszustand signalisiert wird.
  • Durch das Zittern werden also diese alten Anspannungen im Körper nach und nach wieder losgelassen. Viele traumatisierte Menschen erleben, dass sich durch Neurogenes Zittern langsam ihre individuellen Trigger abbauen. 
  • Es ist auch manchmal möglich direkt Traumainhalte oder traumabedingte, emotionale Belastungen über TRE zu lösen. Meist reicht es jedoch aus, rein körperlich zu bleiben. Vieles löst sich ganz von allein, ohne dass wir uns erinnern oder darüber sprechen müssen, weil die physiologischen Schichten der traumatischen Erfahrungen aus dem Körpergedächtnis losgelassen werden. Hinzu kommt, dass wir uns an einiges vermutlich gar nicht bewusst erinnern können, z.B. frühen Traumatisierungen aus der Kindheit. Das macht TRE zu einer sehr hilfreichen Methode zur Traumaheilung. 
  • Hinweis: TRE ist kein vollständiger Ersatz für eine Traumatherapie/Psychotherapie, kann aber sehr gut damit kombiniert werden.

Können Kinder auch TRE machen?

  • Ja, absolut! Am besten ist es, die Eltern kennen TRE auch oder probieren es vorher aus. 
  • Laut bisherigen Erfahrungen hilft es Kindern und Jugendlichen bei der Emotionsregulation. Nervosität, Angst/Panik, Zappeln, Aggression und Wutanfälle sind Zeichen eines überstrapazierten Nervensystems. 
  • Kinder zittern meist weniger lang, da sie weniger Stress mit sich herumtragen. Es fällt ihnen auch noch einfacher den Zitterreflex loszulassen.
  • Jugendlichen kann es helfen ein positives Körpergefühl zu entwickeln, Stress und Druck abzubauen, Entspannung & Emotionale Balance zu finden. Zumal sie in der Schule oft viel still sitzen müssen.
  • Auch gemeinsames Zittern als Familie kann ein wertvoller Beitrag zum harmonischen Familienklima sein.

Ist TRE während der Schwangerschaft geeignet?

  • Bisher gibt es keine Studien dazu, jedoch ist es ein natürlicher Prozess des Körpers und auch Säuglinge zeigen im Mutterleib spontane reflexartige Bewegungen. 
  • Einige Frauen haben davon berichtet, dass sie TRE während der Schwangerschaft gemacht haben und bei der Geburt als sehr hilfreich empfanden. Während einer Geburt brauchen wir das Loslassen und Vertrauen, sich dem autonomen Prozess des Körpers hinzugeben. 
  • Unter ärztlicher Betreuung ist es durchaus möglich auch während der Schwangerschaft TRE anzuwenden. Wer sich damit jedoch unsicher fühlt, sollte besser bis nach der Geburt warten. Idealerweise lernst du es schon vor der Schwangerschaft, aber auch hinterher – als Erholung von der Geburt – kann es sehr hilfreich sein. TRE hilft zur Bewältigung von einem Geburtstrauma. 
  • In der Swahili Hebammen Tradition ist ein altes Heilwissen, dass Frauen nach der Geburt ausreichend zittern müssen – danach geht es ihnen besser. 
  • Wer es möchte, kann das neurogene Zittern also auszuprobieren und dabei auf die eigene Intuition zu hören. 

→ Video zu TRE® bei der Geburt: https://www.youtube.com/watch?v=ZKiugnftoII

→ Mehr zum Thema: https://www.treaustralia.com/for-birth/

Was macht TRE so besonders verglichen mit anderen Entspannungsmethoden (z.B. Yoga)?

  • TRE geht über bewusst kontrollierte Entspannungstechniken hinaus: Es wird vom autonomen Nervensystem initiiert, wodurch viel tiefere Spannungen und traumatische Muster im Körper erreicht werden können, auf die wir bewusst keinen Zugriff haben.
  • Das neurogene Zittern ist ein Prozess, bei dem wir die Kontrolle des Frontalhirns abgeben und der Physiologie des Körpers freien Raum lassen.
  • Dies erlaubt die sogenannte Auto-Regulation: die Bewegungen sind eine unbewusst ablaufende Regulation gesteuert vom autonomen Nervensystem. 
  • Wir nutzen meist Selbst-Regulation, um uns zu entspannen und in Balance zu halten. Das ist aber immer ein bewusster Vorgang, in dem wir verschiedene Möglichkeiten nutzen, um uns und unser Nervensystem zu regulieren. Auto-Regulation setzt dann ein, wenn wir die Selbst-Regulation loslassen. Wir lassen uns sozusagen einfach fallen.
  • Mit TRE lernen wir, die Kontrolle bewusst und kontrolliert loszulassen, sodass Auto-Regulation in ausbalanciertem Maße stattfinden kann.
  • Wir geben uns der Weisheit des Körpers hin: Druck & Spannungen zu finden, zu lösen und die Energie freier fließen zu lassen.
  • Yoga und TRE ist allerdings eine super gute Kombination: wir können auch in den verschiedensten Posen zittern.

Wie oft und lange sollte man TRE machen?

  • Am Anfang wird es meist generell empfohlen TRE 3-4mal pro Woche zu machen. So kannst du sehen, wie du darauf reagierst und wie es sich in dein Leben integrieren lässt.
  • Später kannst du es auch öfter machen – da ist es am besten sich individuell auszuprobieren. Es dem Körper jeden Tag anzubieten ist in jedem Fall gut.
  • Manche zittern jeden Tag mehrmals, viele machen es routinemäßig einmal täglich (z.B. Abends im Bett oder nach dem Yoga) und andere machen es nur einmal pro Woche.
  • Die meisten zittern 10-15min, aber die Dauer ist sehr individuell. Manchmal reichen schon ein paar Minuten, manchmal braucht jemand eine längere und intensivere Zeit (z.B. 1h). 
  • Als Daumenregel gilt: so viel wie dir gut tut, so viel wie dir hilft und so, dass es für dich in das eigene Leben integrierbar ist.
  • Wichtig ist es, das eigene persönliche Maß zu finden für das, was der Körper braucht.

Muss man die sieben Vorübungen machen?

  • Nein. Für den Beginn ist jedoch hilfreich, alle sieben Körperübungen zu machen. 
  • Später reicht es meist, das Becken kurz zu heben. Das kann den Zitter-Mechanismus schnell aktivieren.
  • Die Vorübungen können manchmal zu einem intensiveren Zittern führen und tiefere Muskelschichten erreichen.
  • Auch anderer Sport bzw. andere Bewegungsabläufe können vorher gut sein (z.B. Yoga, Pilates, Joggen, Fitness etc.), so sind die Muskeln bereits aktiviert. 
  • Wer sehr geübt ist im neurogenen Zittern, kann es meist jederzeit ohne Vorübungen starten und stoppen. Es kann individuell passend in den Tagesablauf integriert werden, wann immer hilfreich ist und gut tut. 

Wer sollte kein TRE machen?

  • Direkt nach einer Operation kann es ratsam sein ca. 6-12 Wochen zu warten.
  • Wer Epilepsie, akute schwere Verletzungen oder Herzschrittmacher hat, sollte TRE nur mit besonderer Vorsicht machen.
  • Wer Sport machen kann, kann normalerweise auch TRE machen.
  • Andernfalls ist neurogenes Zittern jedoch auch mit verschiedensten Einschränkungen möglich. Die Posen können entsprechend verändert werden.